Die Geschichte

Die Entstehung:
Vor ca. 170 Jahren kam in Wien Therese, Gräfin Hoyos zur Welt. Sie war bis zum 40. Lebensjahr Hofdame am kaiserlichen Hof in Wien. Doch 1868 entschloss sie sich, in das Kloster der Dominikanerinnen nach Augsburg zu gehen. Nach ihrer Einkleidung hieß sie Sr. Aquinata. Ihr sehnlichster Wunsch war, mit ihrem Erbteil ein Kloster zu stiften. Sr Aquinata Hoyos wandte sich an Pater Thomas Anselmi (Dominikaner, der für die Reformierung der Dominikaner in Österreich verantwortlich war und unter anderem 4 neue Klöster gründete) und erreichte mit seiner Hilfe die Aufnahme in das 1869 gegründete Kloster in Güns. Dort solle sie so lange bleiben, bis eine Neugründung in Aussicht war.
Nach 1880 bot der damalige Gleisdorfer Bürgermeister Dr. Vinzenz Treffenschedl, der im Grunde gegen eine Klostergründung war, sein Haus in der Franz-Josef-Strasse zum Kauf an.
Am 20. April 1881 wurde das Haus samt Garten durch Pater Anselmi angekauft.
Mit den Schwestern in Güns war es schon länger vereinbart worden, dass sie für eine Klostergründung in der Steiermark die ersten Schwestern sein sollen.
26. Juli 1881: Bewilligung des Ministeriums zur Niederlassung der Schwestern in Gleisdorf.
August 1881: Beginn der Umbauarbeiten. Der rückwärtige Teil des Treffenschedlhauses wurde verlängert und ein Trakt als Pensionat ausgebaut. Den Anschluss machte die Kapelle.
12. Nov. 1881: Aufstellung des Turmkreuzes.
26. Juni 1882: Einzug der 6 Gründungsschwestern des Günser Klosters. Unter diesen Schwestern war auch Sr. Aquinata Hoyos, die materielle Stifterin! Zu der Zeit war sie schon 55 Jahre alt.
27. Juni 1882: 2 Glocken wurden geweiht und die Kapelle benediziert. Damit war nach 100 Jahren wieder ein Dominikanerinnenkloster in der Steiermark gegründet. Bereits in den ersten Tagen nach der Übernahme durch die Schwestern meldeten sich die ersten Kandidatinnen und baten um Aufnahme in das Kloster.
1883 fand die erste Einkleidung statt. Innerhalb von 4 Jahren wuchs die Gemeinschaft der Schwestern auf 16.
16. Oktober 1883: Eröffnung des Kindergartens. Dieser wurde vierklassig, ab 1899 fünfklassig und ab 1906 sechsklassig geführt.
6. März 1888: Die Schule erlangt das Öffentlichkeitsrecht. Die Erhaltung der Schule wurde von den Einnahmen aus dem Internat und durch Privatstunden in Musik, Sprachen und Maschinschreiben bestritten.
Ausweitung des Klosters:
1883 ergab sich die Möglichkeit, das Nachbarhaus, das mitten im Garten stand, zu kaufen. Priorin Henrika erstand das Haus am 28. Mai des selben Jahres.
1887 wurde das Zorn-Haus (welches zwischen Kloster und Rathaus gelegen ist) ebenfalls von Priorin Henrika erstanden. Nach gründlichen Renovierungs- und Adaptationsarbeiten zogen im September 1887 die Zöglinge in das neue Pensionat. Die Schwestern gaben diesem Gebäude den Namen „Josefshaus“, zu Ehren des Hl. Josef. Damit war der Besitz abgerundet und hat sich bis heute nicht mehr verändert. Durch den enorm großen Zustrom junger Mädchen, die im Kloster unterrichtet werden wollten, wurde das Josefshaus bereits nach 5 Jahren zu klein.
3. Juni 1897: Grundsteinlegung des Internatsgebäudes, in dem der Kindergarten untergebracht war. Dieser Bau wurde im Sommer 1899 abgeschlossen.
9.7.1899: Die Herz Jesu Statue an der ehemaligen Außenmauer der Westfront des Gebäudes, die sich jetzt im neuen Stadtsaal befindet, wurde vom Kloster angekauft und am 9.7.1899 von Pfarrer Gschweitl gesegnet. Dann wurde die 2,06m hohe und 800 kg schwere Statue an ihren Platz gestellt und am 10.7.1899 wurde die Weihe von der Kongregation der Dominikanerinnen in Gleisdorf vollzogen. Diese Weihe wurde seitdem jedes Jahr am „Herz-Jesu-Fest“ (am Freitag nach Fronleichnam) erneuert.
1907: Bewilligung der Schulbehörde für die Eröffnung der Bürgerschule in Gleisdorf. Ein Jahr später erhielt die Schule das Öffentlichkeitsrecht.
Im selben Jahr entstand die sogenannte „Patronage“ für schulentlassene Mädchen. Diese Einrichtung bestand bis 1925.
1910 wurde erstmals ein Haushaltungskurs begonnen.
1917 folgte der „einjährige Handelskurs“. Ferner entstanden die einjährige Haushaltungsschule und die zweijährige Fortbildungsschule. Daneben lief ein zweijähriger Deutsch-Kurs für Ausländerinnen. Mutter Emanuela war eine große Pädagogin und hatte die Leitung der bestehenden Schulen. 1922 wurde ihr das Amt der Priorin übertragen, welches sie bis zu ihrem Tode innehatte.
Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit führte sie in Zusammenarbeit mit dem damaligen Landesrat Steinberger den bäuerlichen Haushaltungskurs ein, der erstmals am 15. November 1919 begann und alljährlich immer mehr Zuspruch fand. Gleichzeitig entstand der Kindergarten.
Der Handelskurs wurde 1922 in eine „Einjährige Handelsschule“ und 1923 in die „Einjährige Kaufmännische Wirtschaftsschule“ umgebildet.
Die Haushaltungsschule wurde 1931 in die „Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe“ übergeführt und erhielt 1936 das Öffentlichkeitsrecht. Daneben gab es Koch- und Nähkurse, Unterricht in Fremdsprachen und Musikunterricht. Mutter Emanuelas tatkräftiger Intervention beim Landesschulrat gelang es, im Jahre 1924 auch die Verlegung der Hauptferien für die Volksschule des Klosters vom Herbst auf den Sommer zu erreichen. Bis dahin hatte die Volksschule ihre Ferien vom 1.9.-31.10., der Klassenwechsel fand zu Ostern statt. Von nun an begann das Schuljahr für Volks- und Bürgerschule gemeinsam am 15. September.
1925: Der großen Zuspruch zur „Bäuerlichen internen Haushaltungsschule“ veranlasste den Aufbau von zwei Stockwerken auf das ebenerdige Haus im Garten.
8. März 1929: Die Schulbehörde würdigte Mutter Emanuelas segensreiche Tätigkeit durch ein Anerkennungsschreiben und vom Unterrichtsministerium wurde ihr der Titel „Schulrat“ verliehen, eine für Ordensfrauen sehr seltene Auszeichnung.
9. Juni 1933: Mutter Emanuela stirbt an einem tückischen Leiden.
Das Kloster während des Krieges:
1938: Machtübernahme Hitlers. Zunächst blieb das Kloster unbeachtet, das Schuljahr konnte normal abgeschlossen werden. Nach Entziehung des Öffentlichkeitsrechtes für Privatschulen kam es Schlag auf Schlag.
Am 5. September wurde allen Schulen das Öffentlichkeitsrecht entzogen, am 13. September musste das Internat schließen. Bald darauf wurde der Privatunterricht verboten und der Kindergarten gesperrt. Nach und nach verließen die Schwestern nach Erlaubnis der Obrigkeit das Kloster. Viele gingen nach Hause, andere übernahmen Stellen in privaten oder öffentlichen Berufen. Insgesamt verließen 60 Schwestern das Kloster!
Die Räumlichkeiten des Klosters wurden mit Ausnahme der Klausur vermietet. Die Lage wurde für die Schwestern zusehends schlechter.
Am 24. September 1941 wurde den Schwestern mündlich die Beschlagnahme des Klosters mitgeteilt, am 7. Oktober traf dann die schriftliche Beschlagnahme ein mit der Anweisung, dass das Kloster am 9. Oktober um 7:00 früh geräumt zu übergeben sei. In aller Eile mussten nun die Schwestern das restliche Klostergut verpacken und bei Leuten in der Umgebung verstecken.
Neues klösterliches Aufleben:
Sofort nach Beendigung des Krieges besetzten die Russen das Kloster und richteten ein Lazarett ein. Nach dessen Abzug am 26. Juni 1945 begann man rasch mit Säuberungs- und Renovierungsarbeiten, die jedoch durch die Übernahme der Engländer unterbrochen wurde. Nur das Josefshaus blieb den Schwestern. Von hier aus versuchten sie einen Neubeginn.
1945: Eröffnung eines Kindergartens unter der Führung von Donata Glier und Gisela Hammer. Es kamen ca. 60 Kinder, die im Parterre des Josefshauses untergebracht wurden. Die Schwestern zogen sich in die Priesterwohnung zurück.
Mitte Januar 1946 wurde das Dominikushaus von den Engländern geräumt. Nun konnten wieder einige Schwestern einberufen werden und es begannen die Aufräumarbeiten. Trotz räumlicher Enge – die Engländer waren noch im Konvent- und Internatsgebäude – begann am 16. September 1946 die 1. Klasse der Volksschule mit 45 Kindern. Sie mussten vorläufig im Erdgeschoss des Dominikushauses untergebracht werden.
Mitte November 1946: Engländer räumten endgültig das Kloster. Danach kam die Volksschule wieder in ihre früheren Räumlichkeiten zurück.
Am 1. Juli 1947 übernahmen die Schwestern ein Säuglings- und Kinderheim, das aber Ende 1949 wieder aufgelassen wurde.
September 1949: Wiederbeginn der Haushaltungsschule und des Internates. Der Kindergarten wurde ebenfalls wieder im Internatsgebäude untergebracht.
Seit 1973 erfolgte schrittweise die Auflassung der Volkschule. Die leerwerdenden Räume wurden von der Haushaltungsschule übernommen, die ab 1978 in vier Klassen geführt wurde.
Seit 1974 wurde auch der Kindergarten in vier Gruppen geführt. Im Gemüsegarten des Klosters entstand 1976 der neue Pfarrkindergarten, in dem weitere zwei Gruppen untergebracht wurden.
1982 wurde Sr. Immakulata Buchler Priorin des Klosters. Die Dominikanerinnen führen neben dieser Schule, der ein Internat angeschlossen ist, noch eine Privat-Volksschule in St. Ruprecht, insgesamt 8 Kindergartengruppen, davon 4 in Gleisdorf, und leisten großartige kunstgewerbliche Arbeit in der Herstellung von Paramenten.
Die Haushaltungsschule wurde 1995 geschlossen. Die letzte Dominikanerin, die damals noch unterrichtete, war Schwester Alberta Fiedler (Unterrichtsfach: Kochen), die letztes Direktorin war Sofie Wilfling.
Der Klosterkindergarten wurde am 31.8.1996 geschlossen. Die letzten Schwestern, die dort wirkten, waren Schwester Columba Pölzlbauer und Schwester Michaela Ziesler. Die „Union der Dominikanerinnen Österreichs“ arbeiten in jedem Standort wirtschaftlich unabhängig und die Schwestern aus Gleisdorf waren da keine Ausnahme.
1996: Als die Schwestern sahen, dass es ihnen nicht möglich war, den gesamten Gebäudekomplex wirtschaftlich weiter zu führen, übersiedelten sie am 31.12. nach Graz in das Dominikanerkloster in die Münzgrabenstrasse 61. Dort bezogen die den zweiten Stock. Damals waren sie noch 15 Schwestern.
Ein Stadtsaal im Spannungsfeld von alt und neu
1999 wurden die Gleisdorfer Architekten Peter Lidl und Winfried Lechner von der Stadt Gleisdorf mit einer Studie beauftragt, um eine Entscheidungsgrundlage für den Kauf des Klosterareals zu erhalten.
Nach dem Ankauf wurde das Architektenteam mit der Planung und Umsetzung des ersten Bauabschnittes der Adaptierung des Klosters für die Landesausstellung 2001 betraut. Die Errichtung des Zubaus der Chance B (Küche, Speisesaal sowie externe Büroflächen), die Öffnung des Klosterareals und Gestaltung des Gartens, die Errichtung des Platzes vor dem Heimatmuseum, sowie die Renovierung und Sanierung des Josefshauses, die Fassadensanierung des Treffenschädlhauses, des Domenikushauses und des Pensionates, sowie die rohbaumäßige Errichtung des Stadtsaales wurden bis zur Eröffnung der Landesaustellung im April 2001 fertiggestellt.
Im Februar 2002 wurde der Ausstellungsbereich vom Land Steiermark an die Stadtgemeinde Gleisdorf zurückgegeben und es wurde mit den Ausbauarbeiten begonnen. Neben dem Stadtsaal mit seinen Nebenräumlichkeiten werden im Erdgeschoss auf der Seite der Franz-Josef-Straße der Sonnenwirt und im Dachgeschoss die Büroräumlichkeiten der Steiermärkischen Landesregierung Fachabteilung 18 D im September eröffnet. Die vom Bundesdenkmalamt im nachhinein freigegebene Hinterbühne wird ab 2003 das Raumangebot des Forum Klosters erweitern.
Dem Gleisdorfer Architektenteam Peter Lidl und Winfried Lechner ist es gelungen, den Altbestand behutsam zu sanieren und die Zubauten mit ihren Stahl-Glaskonstruktionen harmonisch in die Bausubstanz zu integrieren.
Die schlichten und klaren Formen der Neubauten erzeugen mit den teilweise verspielten Details der Altbauten das gelungene architektonische Spannungsfeld zwischen alt und neu.













